Briefe, die die Welt verändern



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Der Brief ist tot, es lebe der Brief – oder: Wie Briefe (manchmal) die Welt verändern.

US-Präsident Donald Trump twittert viel und oft. Er regiert sein Land gewissermassen mit Tweets, die maximal 280 Zeichen pro Nachricht enthalten. Verändert hat er damit zweifellos die Art der schriftlichen Kommunikation. Aber hat er damit auch die Welt verändert? Es scheint, als gingen Twitter-Nachrichten – ebenso wie gesprochene Worte – oft sehr schnell von der Hand. Manchmal so schnell, dass sich der Absender vielleicht nicht genügend Gedanken darüber gemacht hat, wie die Botschaft bei den Empfängern ankommt.

Ich gehe nicht ins beschissene Weisse Haus

Megan Rapinoe, US-Fussballweltmeisterin

Megan Rapinoe

Wie schnell peinliche Fehler passieren, beweist Trump immer wieder. Ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit: In der Regel werden amerikanische Gewinnerinnen und Gewinner von Weltmeistertiteln auf einen Besuch ins Weisse Haus eingeladen. Als ein Journalist die politisch aktive und regierungskritische Kapitänin des US-Fussballteams, Megan Rapinoe, auf einen solchen Besuch im Fall eines Weltmeistertitels ansprach, antwortete diese: «I’m not going to the f… White House» – «ich gehe nicht ins besch… Weisse Haus». Worauf Trump umgehend – und natürlich mit einem Tweet – an seine 62 Millionen Follower – reagierte. Rapinoe habe «unser Land, das Weisse Haus und unsere Flagge» missachtet, so Trump. Zu seinem Missgeschick schrieb er Rapinoes Namen falsch und markierte den Twitter-Kanal einer Megan Rapino. Die schrieb lakonisch zurück: «Mama, hol mich ab, alte Männer attackieren mich.»

Mama, hol mich ab, alte Männer attackieren mich

Megan Rapino, Twitter @meganrapino

Solche Missgeschicke legen die Frage nahe: Wäre es manchmal vielleicht gescheiter, statt eines Tweets in den modernen digitalen Medien ein vermeintlich altbackenes Schreiben – einen Brief – zu verfassen? Nichts gegen digitale Medien. Aber: Wer einen Brief schreibt, hat Zeit zu reflektieren, abzuwägen und den wohlüberlegten Worten mehr Tiefe zu verleihen. Zudem ist ein traditioneller Brief persönlicher und wertschätzender als jede digitale Kurznachricht. Dabei gehen Briefe weit über eine exklusive Zweisamkeit hinaus. Sie machen Politik, haben die Kraft, Konflikte zu entschärfen, bevor sie eskalieren, oder – wie die Geschichte zeigt – Kriege zu entfesseln. Die sogenannte Emser Depesche zum Beispiel setzte 1870 eine wohlkalkulierte Kette von Ereignissen in Gang, die zum Deutsch-Französischen Krieg führte. Eine jahrzehntelange Korrespondenz mit dem französischen Philosophen Voltaire machte den mit preussischer Strenge erzogenen Friedrich II. zum aufgeklärten Herrscher. Mahatma Gandhi bat 1939 einen «lieben Freund», den Ausbruch des drohenden Krieges zu verhindern. Der Adressat: Herr Hitler, Berlin, Deutschland.

Wie Briefe im Grossen wie im Kleinen die Welt verändern, beeinflussen und berühren können, zeigen ein paar Perlen aus ferner und jüngerer Vergangenheit:

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Die «Emser Depesche» – oder: Ein kleines Schreiben mit grosser Wirkung.

Auslöser des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1871 war ein kurzes Schreiben, die sogenannte «Emser Depesche». Der Hintergrund war der schwelende Konflikt zwischen dem Norddeutschen Bund mit Preussen an der Spitze und Frankreich. In Frankreich herrschte Napoleon III. als Kaiser. Eigentlicher Anlass war die Frage, wer den spanischen Thron besteigen sollte. An dieser Frage hatten sich bereits früher Kriege entfacht. Zur Diskussion stand Erbprinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, der u. a. von Otto von Bismarck und dem preussischen König Wilhelm I. unterstützt wurde. Frankeich wiederum sah durch diese Kandidatur das Gleichgewicht der Mächte in Europa gestört. Doch Prinz Leopold verzichtete am 12. Juli 1870 auf den spanischen Thron. Für König Wilhelm I. war die Angelegenheit damit eigentlich erledigt. Allerdings war die Geschichte damit nicht erledigt. Am Tag darauf, am 13. Juli 1870, verfasste der französische Botschafter ein Schreiben an Wilhelm I. In diesem Schreiben wurde Wilhelm aufgefordert, auch in Zukunft darauf zu verzichten, preussische Prinzen auf den spanischen Thron zu setzen. Wilhelm I. lehnte dieses Ansinnen ab. Deshalb änderte sein «Verbündeter», Otto von Bismarck, das Schreiben der französischen Regierung so ab, dass es als «Emser Depesche» – in Form eines Telegramms weitergegeben wurde. Die Forderung in der Depesche klang sehr viel härter als im Original. Aufgrund dieses Vorgehens sah sich Frankreich nun wiederum beleidigt und rüstete zum Krieg. Bismarck lachte sich wohl insgeheim ins Fäustchen, denn genau das hatte er ja mit der Depesche beabsichtigt. Als am 19. Juli 1870 nämlich die französische Kriegserklärung an Preussen erging, sah es so aus, als ob Frankreich allein der Kriegsverursacher war. Genau das passte in Bismarcks Pläne, Frankreich in Europa zu isolieren. Die Deutschen würden sich ja nur verteidigen. So jedenfalls hatte es Bismarck geschickt eingefädelt. Doch in Wirklichkeit wollte Bismarck diesen Krieg, um Frankreich zu schwächen. Nur ein geschwächtes Frankreich würde sich am Ende einer deutschen Reichseinigung nicht mehr widersetzen können.

Mein Lieber Freund – oder: Wie Mahatma Gandhi scheiterte, den Zweiten Weltkrieg zu verhindern.

Quelle:
5. Auflage von «Letters of Note»
Copyright © 2013 by Shaun Usher
Copyright © 2014 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Wer kennt ihn nicht: Mahatma Gandhi, den berühmten Leader der gewaltfreien indischen Unabhängigkeitsbewegung. Als 1939 die Spannungen in Europa nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch deutsche Truppen ihren ersten Höhepunkt erreichten, schrieb Gandhi auf Drängen von Freunden einen Brief an Adolf Hitler. Beginnend mit «Mein lieber Freund» bat er den Führer «im Namen der Menschlichkeit», einen Krieg zu vermeiden. Leider erfolglos. Aufgrund einer Intervention der britischen Regierung erreichte der Brief den Führer nämlich nicht einmal. Nur einen Monat später musste die Welt erleben, wie Deutschland in Polen einmarschierte und damit den grössten, tödlichen Konflikt in der Geschichte der Menschheit auslöste.

Zum Teufel mit Hitler – oder: Wie Hitlers Neffe gegen seinen Onkel in den Krieg zog.

Patrick Hitler war der Neffe von Adolf Hitler und einziger Abkömmling des deutschen «Führers». Dank seiner irischen Mutter hatte er die britische Staatsbürgerschaft und konnte 1939 aus Nazi-Deutschland in die USA flüchten. Nachdem er in New York ein neues Zuhause gefunden hatte, versuchte er 1940, sich freiwillig zu den US-Streitkräften zu melden. Doch seine Bewerbung wurde abgelehnt. Grund: Er war der Neffe von Adolf Hitler. Der junge Mann liess sich jedoch nicht abschrecken und zwei Jahre später – kurz nachdem sein Onkel den USA den Krieg erklärt hatte – versuchte Patrick Hitler erneut, sich zum Militärdienst zu melden. Diesmal schrieb er direkt dem Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Dieser leitete den Brief an den damaligen Direktor des FBI, J. Edgar Hoover, weiter, der den Hitler-Neffen überprüfen liess und ihm schliesslich die Freigabe für den Militärdienst erteilte. Patrick Hitler trat 1944 der US-Marine bei und wurde nach einer Verwundung im Einsatz 1947 entlassen. 40 Jahr später verstarb er in New York.

Friede, Freude, Eierkuchen – oder: Wie sich US-Präsident Dwight D. Eisenhower in die Eierkuchen von Queen Elisabeth II. verliebte.

Friede, Freude, Eierkuchen ist eine Redewendung, die eine nur oberflächlich intakte, scheinbar friedlich-sorglose Fassade innerhalb einer Gesellschaft beschreibt. Sie wird oft eingesetzt, um auszudrücken, dass man Probleme verdrängt, statt sie zu lösen. Der Ursprung dieser Redewendung ist nicht eindeutig geklärt. Wie die englische Königin die Essgewohnheiten des amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower mit Eierkuchen veränderte, jedoch schon.

1957 absolvierte Königin Elisabeth II. auf Einladung des damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower ihren ersten Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten. Der Präsident revanchierte sich zwei Jahre später mit einem Gegenbesuch. Die Queen empfing Eisenhower und seine Gattin auf Schloss Balmoral in Schottland. Was dort hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, ist unbekannt. Sicher lässt sich jedoch sagen, dass sich Präsident Eisenhower in die königlichen Eierkuchen verliebte. Und zwar so sehr, dass die Queen noch fünf Monate nach dem Besuch dem Präsidenten einen Brief mit ihrem persönlichen Rezept schrieb. Friede, Freude, Eierkuchen! Ob wohl noch mehr dahinter steckte? Wie auch immer, das königliche Rezept soll Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten werden:

Quelle:
5. Auflage von «Letters of Note»
Copyright © 2013 by Shaun Usher
Copyright © 2014 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Zutaten für 16 Personen:
  • 4 Tassen Mehl
  • 4 EL feiner Zucker
  • 2 Tassen Milch
  • 2 Eier
  • 2 TL Natron
  • 3 TL Weinstein*
  • 2 EL zerlassene Butter

* Weinstein-Backpulver ist daher die natürlichere Alternative zu herkömmlichem Backpulver.

Zubereitung:

Die Eier, den Zucker und die Hälfte der Milch verrühren, das Mehl hinzufügen und gründlich untermischen. Dabei die restliche Milch nach Bedarf zugeben, ausserdem Natron und Weinstein. Schliesslich die zerlassene Butter unterrühren.

Anmerkung der Redaktion: Das Wissen darüber, dass die Eierkuchen dann von beiden Seiten in einer Pfanne mit Butterschmalz goldbraun gebrutzelt werden müssen, hat die Queen beim amerikanischen Präsidenten wohl vorausgesetzt.

Sticky Fingers – oder: Warum Andy Warhols Plattencover die Schallplatte der Rolling Stones zerkratzte.

Quelle:
5. Auflage von «Letters of Note»
Copyright © 2013 by Shaun Usher
Copyright © 2014 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Während ihrer Arbeit am legendären Musikalbum «Sticky Fingers» wandten sich die Rolling Stones an Andy Warhol, einen der damals einflussreichsten Pop-Art-Künstler der Welt. Sie baten ihn, die Plattenhülle zu gestalten. Warhol willigte ein und erhielt bald darauf einen Brief von Bandleader Mick Jagger mit der Anweisung, das Design nicht zu komplex zu gestalten, damit es bei der Produktion keine Probleme gebe. Warhol – ganz der Künstler eben – ignorierte Jaggers Anweisungen komplett. In der Folge schuf er ein unvergessliches Cover, das die ausgebeulte Jeans von Schauspieler Joe Dallesandro und eines von Warhols Lieblingsmodels zeigte – samt echtem Reissverschluss. Ebendieser Reissverschluss bereitete zahllose Probleme. Nicht nur bei der Produktion, sondern vor allem auch, weil er zum Ärger vieler Stone-Fans die Schallplatte zerkratzte.

Verbrennt eure Gesetze und macht neue – oder: Wie Friedrich II. und Voltaire die Welt aufklärten.

Friedrich II. lebte von 1712 bis 1786. Bekannt war er u. a. als Friedrich der Grosse. Volkstümlich wurde er auch der «Alte Fritz» genannt. Der Briefaustausch zwischen Friedrich II. und dem französischen Philosophen und Schriftsteller Voltaire (1694–1778) ist einer der berühmtesten Briefwechsel aller Zeiten. Vier Jahrzehnte lang schrieben sich die beiden zahlreiche Briefe, in denen sie sich über Philosophie und Politik, Ethik, Geschichte und Literatur, die eigenen poetischen Werke sowie Persönliches austauschten. Beide Schreiber sahen sich als Vertreter der Aufklärung, als Streiter gegen Aberglauben und Fanatismus: «Verbrennt eure Gesetze und macht deren neue!» Der Briefwechsel trug wesentlich dazu bei, dass Friedrich II. zu einem aufgeklärten Herrscher wurde. Er selbst bezeichnete sich als «ersten Diener des Staates». Er setzte tiefgreifende gesellschaftliche Reformen durch, schaffte die Folter ab und forcierte den Ausbau des Bildungssystems. In ihrem Umfang und ihrer thematischen Vielfalt sind die Briefe ein einzigartiges Zeitdokument.

Ten Letters a Day – oder: Wie ein sechsjähriger Junge Obamas Welt – und vielleicht auch die restliche Welt – ein wenig veränderte.

Bei seinem Amtsantritt hatte sich der ehemalige US-Präsident Barack Obama vorgenommen, jeden Tag zehn Briefe zu lesen. Damit war er der erste Präsident überhaupt, der sich derart bewusst mit den Briefen seiner Landsleute auseinandersetzte. Jeden Nachmittag wurde gegen 17 Uhr eine Auswahl aus dem sogenannten «Lektüreraum» ins Oval Office geschickt. Die «10LADs», wie sie mit der Zeit genannt wurden – für Ten Letters a Day oder «zehn Briefe pro Tag» – machten unter hochrangigen Mitarbeitenden des Weissen Hauses die Runde, bis der Stapel schliesslich hinten in die Briefing-Mappe gelegt wurde, die Obama jeden Abend mit in seine Privaträume nahm. Einige Briefe beantwortete er handschriftlich selbst, andere versah er mit Anweisungen für sein Schreibteam, das sie dann beantwortete. Auf manche Briefe kritzelte er «AUFBEWAHREN» und liess deren Worte dann und wann sogar in eine seiner Reden einfliessen.

Dazu gehörte auch der Brief des sechsjährigen amerikanischen Jungens Alex, der dem syrischen Jungen Omar aus Aleppo einen Platz in seiner Familie anbot und Obama bat, den Jungen in Syrien zu holen und «nach Hause» zu bringen: «Lieber Mister Präsident, erinnerst du dich an den kleinen Jungen, der von einem Rettungswagen in Syrien aufgegriffen wurde? Kannst du ihn bitte holen und nach Hause bringen? Halte einfach in der Einfahrt oder auf der Strasse, und wir werden auf euch warten mit Flaggen, Blumen und Ballons. Wir werden ihm eine Familie geben, und er wird unser Bruder sein. Catherine, meine kleine Schwester, wird Schmetterlinge und Glühwürmchen für ihn sammeln. In meiner Schule habe ich einen Freund aus Syrien. Ich werde ihn Omar vorstellen, und wir können zusammen spielen. Wir können ihn zu Geburtstagspartys einladen, und er kann uns eine andere Sprache beibringen. Falls er keine Spielsachen hat, dann wird Catherine ihren weissen gestreiften Hasen mit ihm teilen. Und ich werde mein Fahrrad mit ihm teilen und ihm beibringen, wie man es fährt. Ich will ihm Rechnen beibringen.»

Obama ging in der Folge in einer Rede bei den Vereinten Nationen auf diesen Brief ein. Das sei ein Beispiel eines sechsjährigen Jungen, «das uns viel beibringt», so Obama. «Die Menschlichkeit eines Kindes zeigt uns, was es heisst, weder zynisch, argwöhnisch noch ängstlich gegenüber anderen Menschen zu sein, weil sie aus einem bestimmten Land kommen, anders aussehen oder anders beten», so Obama, «all das können wir von Alex lernen.» Zweifellos ein Brief, der die Welt wahrscheinlich nicht veränderte, aber sicher berührte.

In Gottes Namen, Amen – oder: Wie ein anonymer Brief für die Erfolgsstory «Schweiz» sorgte.

Bildquelle: Bundesbriefmuseum Schwyz

Am 1. August feiert die Schweiz jedes Jahr den Bundesbrief, den die ersten Eidgenossen 1291 verfasst hatten. Aber die erst vor rund 100 Jahren initiierte Feier beruft sich gemäss Historikerinnen und Historikern auf ein eher zweifelhaftes Dokument. Was ist also am 1. August 1291 wirklich geschehen? Vielleicht gar nichts, sagt der Historiker Georges Andrey in seinem Buch «Schweizer Geschichte für Dummies». Im lateinischen Originaltext heisst es nämlich «initio augusto», also Anfang August, nicht 1. August. Das mit dem 1. August kam erst später. Die Schweiz war nämlich eines der letzten Länder ohne Nationalfeiertag. Das wollte man nicht. Deshalb beschloss der Bundesrat 1891, den Bundesbrief – und damit den Nationalfeiertag – auf den 1. August zu datieren. Übrigens ist das Datum nicht die einzige Ungenauigkeit im Bundesbrief: Erstens ist der Brief nicht unterzeichnet und zweitens sind im Text weder Personen noch Ortsnamen festgehalten. Auch deshalb ist es also fraglich, ob am 1. August 1291 auf der Rütliwiese ein Bund geschlossen wurde.

Überhaupt: Heute ist man sich in Historikerkreisen einig, dass der Bundesbrief alles andere als eine moderne Verfassung ist. Er ist vielmehr ein Mix von diversen Texten. Dafür gibt es klare Hinweise: So finden sich im Text Auszüge aus dem öffentlichen Recht, dem Straf- und Zivilrecht sowie dem internationalen Recht, aus der Betrugsverfolgung und der Rechtshilfe. Allerdings betont der Bundesbrief die Autonomie der Justiz: Die Waldstätten wollten keine fremden Richter. Was weiter auffällt, ist ein gewisser Mangel an Kohärenz. So findet man zum Beispiel manchmal die Mehrzahl «sie» und manchmal den Pluralis Majestatis «wir». Zudem hat es Rechtschreibefehler, was nicht sehr seriös wirkt. Haben die Historikerinnen und Historiker recht, könnte man also geneigt sein zu sagen, dass der Bundessbrief ein bunt zusammengewürfeltes Patchwork-Dokument ohne Absender und genaues Datum ist. Gut möglich also, dass unser Land auf einem anonymen Brief gründet. Aber was solls, trotz allem ist die Schweiz bis heute eine Erfolgsgeschichte.