Aus Liebe zum Handgeschriebenen

Aus Liebe zum Handgeschriebenen Sechs Schreibfans erzählen von ihrer Passion

Der Schönschreiber, die Sammlerin, die Enthusiastin, die Förderinnen und der Kurator: Sie alle schreiben gerne und viel. Ob Postkarten oder Briefe – Hauptsache von Hand.

Egal ob er mit seinem Füller schreibt oder einen Fineliner zur Hand hat – der Zeichner Christoph N. Fuhrer schreibt einfach schön. Sein Strich ist lässig, der Schwung ist elegant. Auch jetzt, als er in Bern in einem Beizli sitzt und ein paar Grusszeilen auf die Karte bringt. 

«Die ist für meine Schwiegermutter», sagt der Berner. «Ich bin wohl der einzige, der ihr noch Postkarten schreibt!», meint er schmunzelnd. Auch seine Mutter, seine Schwestern und seine Freunde erhalten regelmässig Post von ihm, oft auch Briefe.

«Etwas Handgeschriebenes hat einfach eine grössere Wertigkeit als eine WhatsApp-Nachricht oder ein Email.»

Manchmal zeichnet er die Karten auch gleich selbst – etwa wenn er an einem schönen Ort sitzt wie im Berner Rosengarten oder zu Hause am Flussufer der Donau in Regensburg. Seine Kunst gibt’s seit Kurzem für alle zum Verschicken: Im Postkartenverlag Freshfish[Media | Not Accessible] sind acht seiner Aquarelle als Karten erhältlich.

  • Die Schaffhauserin Christina Pusterla hat daheim einen Ständer voll mit Karten: «Ich liebe Postkarten.» Sie schreibt oft und gerne. Aus den Ferien auch an sich selbst. «Ich habe Reiseangst, die Karten sind der Beweis dafür, dass ich es geschafft habe», erzählt sie mit einem fröhlichen Lachen. Das Fliegen und die Ungewissheit bereiten ihr Stress. «Völlig unlogisch», meint sie selbst. Denn in ihrer Arbeit als Regieassistentin ist sie regelmässig der Ungewissheit ausgesetzt. Sie übernimmt oft die Abendverantwortung mit bis zu 2000 Zuschauern und 40 Personen auf der Bühne: «Das stresst mich überhaupt nicht.»

  • Corinne Sanginisi hat eine ganze Kiste voller Karten, die darauf warten, dass sie beschrieben und verschickt werden. «Wenn ich in Postkarten sehe, muss ich immer ‘schnöigge’ und schauen, ob es welche hat, die mir gefallen», erzählt die Buchhalterin aus Ersigen. «Besonders schöne kaufe ich doppelt – eine zum Verschicken, eine für mich.» Eltern, Freunde, Bekannte und ihre beiden Kinder erhalten regelmässig Post von ihr – und natürlich auch ihr Freund im deutschen Sauerland. Er hat mittlerweile schon eine kleine Sammlung davon, die er in seinem Wohnzimmer zu einer schönen Wanddekoration arrangiert hat.

Auch der Schauspieler Beat Schlatter hat all seine Postkarten, die er seit seiner Kindheit erhalten hat, behalten. «Postkarten stecken voller Geschichten», sagt der Zürcher. «Sie wecken Emotionen und Erinnerungen.» Statt sie nur aufzubewahren, hat er aus den Karten ein Buch gestaltet: Sorgfältig kuratiert, sammeln sich dort fast 900 Schmuckstücke aus der manchmal absonderlichen Welt des Postkartendesigns an. «Es ist das ideale Buch bei Fernweh.»

Silja Bähni und Olivia Hübscher organisieren seit gut drei Jahren regelmässig «Post a letter»-Events[Media | Not Accessible] «Wir bringen spezielles Briefpapier, Couverts und herzige Dinge und Sprüche zum Draufkleben mit», sagt Silja Bähni. «Und jeder erhält drei Briefmarken.» Sie wollen damit die Lust am Briefeschreiben wecken. Die Abende in Bern und Freiburg sind ein Erfolg. «Es ist immer eine schöne, kreative Stimmung, alle sind in ihre Briefe vertieft», erzählen die beiden Pädagoginnen. «Manchmal werden bis zu 100 Briefe geschrieben.»

«Mit Briefen kann man jemandem eine Freude bereiten», sagt Olivia Hübscher. «Sie sind auch etwas Überraschendes – wow, da liegt ja ein Brief im Briefkasten!»

Ob man sie schreibt oder empfängt: Briefe und Karten sind einfach etwas Schönes – für alle. Und wenn sie von Hand geschrieben sind, umso mehr.

Auch der Berner Museumstechniker Dävu Brühlmann steht regelmässig auf der Bühne - als Sänger der Celtic Folk-Band An Lár. Und: Er ist ein fleissiger Kartenschreiber. Zwei Mal pro Jahr erhalten seine Freunde, Bekannte und Fans von An Lár eine Karte mit den nächsten Konzerten der Band. «Früher hat man seine Konzertnewsletter immer per Karte verschickt», erklärt der grossgewachsene Berner. «Ich bin einfach der einzige, der es heute noch tut.»

Er lässt jeweils 200 Exemplare drucken und beschriftet die Karten von Hand. Was sehr geschätzt wird: «Viele Leute schreiben mir ein SMS zurück, melden sich per E-Mail und bedanken sich», sagt er und fügt schmunzelnd an: «Manche entschuldigen sich sogar, wenn sie an kein Konzert kommen konnten.»

«Und für mich ist es eine gute Gelegenheit, mich bei Leuten zu melden, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe.»

Die 200 Karten – das geht aber auch ins Geld? «Ja, aber es ist es allemal wert», sagt Dävu Brühlmann. Er fügt mit einem Grinsen an: «Aber nach 200 Karten schmerzt mir das Handgelenk schon ein bisschen!»

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